Toleranz, was ist das eigentlich genau?

Einfach ausgedrückt bedeutet Toleranz, dass du auch andere Meinungen neben deiner eigenen zulässt.
Stell dir mal vor, du findest eine bestimmte Musikgruppe total gut. Ein Freund vielleicht nicht. Wenn du tolerant bist, dann ist das für dich in Ordnung, dass dieser Freund eine andere Meinung über diese Musikgruppe hat als du. Du wechselst nicht die Straßenseite, wenn du ihn siehst. Du lässt ihn trotzdem an deinem Leben teilhaben, indem du dich mit ihm triffst und unterhältst.
Es bedeutet aber auch, dass du Menschen, die anders sind als du selber, nicht total bescheuert findest, nur weil sie vielleicht eine andere Hautfarbe, Haarfarbe, Religion oder ein anderes Verhalten zeigen als du.
Wenn du tolerant bist, musst du trotzdem nicht alle Menschen mögen!
Es ist völlig in Ordnung, wenn es Menschen gibt, die du nicht magst. Bei einigen Leuten hat das sicher seine Gründe. Bei anderen Leuten merkst du einfach sofort, dass ihr nicht die gleiche Wellenlänge habt.
Es wäre ja auch etwas viel von dir verlangt, alle Menschen auf der ganzen Welt zu mögen. Du weißt aber, dass es viele Menschen gibt, die verschieden aussehen, anders denken, unterschiedlich handeln und sich benehmen. Und obwohl es diese Unterschiede gibt, sind diese Menschen für dich ok.Es gibt auch Ausnahmen, bei denen du nicht tolerant sein solltest.Etwa dann, wenn jemand sich aggressiv oder auch gewalttätig verhält. Dann solltest du dich mit anderen zusammentun und den bedrohten Menschen schützen. Tolerant gegenüber anderen Menschen zu sein ist also gut, es sei denn, dass jemand durch einen anderen bedroht wird.
Toleranz gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen ist wichtig, denn es kann jeden treffen!
Viele Menschen sind vielleicht deshalb nicht tolerant gegenüber Menschen mit psychischen Erkrankungen, weil sie glauben, dass sie nie psychisch krank werden können. Dabei kann es jedes Kind, jeden Jugendlichen und Erwachsenen treffen!
Die psychische Erkrankung kommt nicht plötzlich, von jetzt auf gleich, wie zum Beispiel eine Schürfwunde, die du dir bei einem Fahrradsturz zuziehst.
Es ist ein langsamer Prozess, manche psychische Erkrankungen entwickeln sich über Tage, manche über Wochen oder Monate. Auch bei einer Grippe hast du anfangs vielleicht leichte Kopfschmerzen, denkst dir aber nichts dabei. Dann fühlst du dich vielleicht etwas schlapp und müder als sonst. Und erst wenn deine Nase öfter kribbelt, oder du dich öfter räuspern musst, weil dein Hals leicht kratzt, überlegst du, ob du eine Erkältung bekommst. Die Menschen merken also gar nicht, dass sie krank werden. Sie merken, dass sie zeitweise anders fühlen und denken, dass sie sich anders verhalten oder ihre Stimmung anders ist. Irgendetwas ist anders als sonst.
Ein Beispiel? Ich stell mir jetzt einfach vor, dass du eigentlich ein sehr fröhlicher Mensch bist. Außerdem stell ich mir jetzt vor, dass du eigentlich immer sehr offen für alle Menschen bist und keine Angst vor neuen Sachen hast.
· Dann fängst du irgendwann an, immer weniger zu lachen.
· Du fühlst dich immer öfter traurig und weißt vielleicht gar nicht warum?
· Oder du hast gar keine Lust mehr etwas zu machen.
· Du möchtest eigentlich immer nur zu hause sein.
· Du magst nicht mehr ins Kino gehen, oder schwimmen, oder Eis essen, oder, oder.
· Das alles macht dir vielleicht keinen Spaß mehr.
Du glaubst, dass man das alles doch eigentlich merken müsste? Wenn sich etwas langsam entwickelt, dann merkt man es oft nicht. Jedenfalls nicht sofort.
Du merkst ja auch nicht, wie deine Haare wachsen. Anfangs nicht. Erst nach einer gewissen Zeit stellst du vielleicht fest „Oh! Ich kann mir jetzt sogar einen Pferdeschwanz binden!“.
Toleranz gegenüber Menschen mit psychischer Erkrankung bedeutet, dass du sie nicht ablehnst. Dass du keinen großen Bogen um sie machst.
Es bedeutet, dass du ihnen trotzdem eine Chance gibst, sie an deinem Leben teilnehmen zu lassen und an ihrem Leben teilnimmst. Du wechselst nicht die Straßenseite, wenn du ihnen begegnest.Obwohl sie anders sind als du.